FlurVerbindungsGang

Im Frühjahr 2021 begann das Künstler:innen-Kollektiv Mahony gemeinsam mit Lehrerinnen und Erzieherinnen der Grundstufe der Gemeinschaftsschule Campus Rütli über die Neugestaltung des schulischen Flures nachzudenken, der die beiden Gebäude der Schule verbindet. Der Wunsch war es mit allen Kindern der Schule in Verbindung zu treten und sie Teil der Neugestaltung werden zu lassen. Es entstand die Idee einer Installation, die mit wechselnden Lichtstimmungen und dadurch bedingten Veränderungen von an die Wände gemalten Elemente arbeitet.

Dieser Flur ist ein Weg, der die zwei Gebäudeteile der Schule miteinander verbindet. In diesem Sinne können wir auch unsere Bewegung in dem Gang, unser Ablaufen des Ganges als Teil der Verbindung, des Verbindung-Schaffens verstehen. Verbindung einzugehen ist ein Prozess und dieser Prozess des Verbindens ist immer auch eine Form der Kommunikation, der die beteiligten Akteur:innen verändert.

Welche Verbindungen passieren auf welchen Ebenen? Welche Prozesse nehmen wir wahr und welche nicht? Was erleben wir dabei jenseits des Sicht-, Hör-, Riech-, Schmeck-, dem Berührbaren? Wenn etwas wahrnehmbar ist, verschwindet dadurch etwas anderes oder rückt in den Hintergrund? Wenn etwas sichtbar wird, wird dann etwas anderes unsichtbar?

Mahony

Im Herbst/Winter wurden in allen Klassen die von Mahony entwickelten 'Verbindungskarten' bearbeitet. Diese Aufgaben-Spiele, und dazu gehörende Arbeitsblätter, wurden von Mahony in Absprache mit den projektbeteiligten Pädagog:innen entwickelt und altersgerecht für die Jahrgänge 1-3 und 4-6 aufbereitet. Gefragt war die Phantasie der Schüler:innen rund um sechs Planeten, auf denen das Leben anders läuft als gewohnt, rund um Wörter, die es zu erfinden gilt und rund um Tiere, deren Sprache es zu dechiffrieren gilt. Die daraus entstandenen Zeichnungen und Texte bilden die Grundlage für alle Wandelemente im FlurVerbindungsGang.

 

Projektfortschritt

Der schulische Flur wurde während der Winterferien 2022 saniert. Die gelben Wände und feuerroten Türen wurden abgeschliffen und in sechs Farben gestrichen. Bis zu den Osterferien im April wurden nach und nach die verschiedenfarbigen Wandelemente von Mahony appliziert und in einem letzten Schritt eine LED-Lichtleiste unter die Decke des Flures installiert. Sie besteht aus 14 Teilelementen und zieht sich durch den gesamt, 16 Meter langen, Flur.

Der FlurVerbindungsGang wird im Frühjahr 2022 feierlich eingeweiht.

Die im Rahmen des Projektes entwickelten Spiele/Materialien werden als Lernmaterialien in das schulische Portfolio für den Kunstunterricht integriret. Die Themen Licht, Farbe und Wahrnehmung werden in die Arbeit der schulischen Lernwerkstatt (forschendes und entdeckendes Lernen) aufgenommen, die den Kindern den Flur als Lernort öffnet.

Flur nach den Malerarbeiten im Januar 2022

Modellbau im Atelier

Ausblick

Die Grundstufe der Gemeinschaftsschule sollte Ende 2020 in das neu gebaute Schulgebäude auf dem Campus Rütli umziehen. Dieser Umzug war schon lange geplant, viele Pädagoginnen und Pädagogen hatten mit dem Bau bzw. der Ausstattung des Neubaus zu tun und alle haben darauf gewartet, in neuen Räumen unterrichten zu können. Aus baulichen Gründen verschiebt sich dieser Umzug nun um mindestens weitere fünf Jahre. Daraus erwächst die Aufgabe, sich dem alten Grundstufengebäude noch einmal anzunehmen, sprichwörtlich die Umzugskoffer auszupacken und für die Schule als Raum neue Ideen zu finden. Die Schulleitung ist mit der Bitte auf die Pädagogische Werkstatt zugekommen, mit Pädagog:innen und Schüler:innen darüber nachzudenken, wie das Grundstufengebäude in der Weserstraße so gestaltet werden kann, dass es zu einem ästhetisch besonderen Ort wird.

Im Grundstufengebäude gibt es verschiedene Orte/Flächen, die gemeinsam mit außerschulischen Partner:innen kreativ gestaltet werden könnten, wie etwa das Freizeithaus im Schulhof, die Eingangstore der Schule oder die Wände des Musikraumes. Der FlurVerbindungsGang ist ein Pilotprojekt und möglicher Auftakt für ein umfangreicheres Unterfangen, das es Kindern und Pädagog:innen erlaubt ihre physische Lern- und Lehrumgebung mitzugestalten.

 

Mahony

Das Künstler:innen-Kollektiv MAHONY wurde 2002 gegründet und besteht aus Stephan Kobatsch (geb. 1975 Wien, AT), Clemens Leuschner (geb. 1976 Göttingen, DE) und Jenny Wolka (geb. 1978 Köln, DE). Mahony arbeiten prozessorientiert und kollaborativ, um statische oder inaktive Zustände von Kunstwerken zu vermeiden. Dafür bedienen sie sich einer breiten Palette von Medien wie Video, Fotografie, Druck, Collage, Skulptur und Performance. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, u.a. in der Kunsthalle Krems, im MAMbo Bologna, im Witte de With, Rotterdam, im Wiener MAK, bei Overduin & Co., Los Angeles, im Künstlerhaus Bethanien, Berlin, sowie im La Criée, Rennes, im Artist's Institute, New York, bei Proyectos Monclova, Mexiko-Stadt und in der Kunsthalle Wien.


 

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