Stipendium 2010

Im Jahr 2010 erhielten Abdul-Karim, Amanda, Denise, Jawad, Lorenz, Mona, Muhammed-Igbal und Natacha von der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli - CR² ein Stipendium Ein Quadratkilometer Bildung (Jahrgangsstufen 5, 7, 8 und 9). Mit der Verleihung der Stipendien im Juni durch Frau Rau waren sie die ersten Stipendiatinnen, Stipendiaten von Ein Quadratkilometer Bildung.

Christina Rau (Schirmherrin des Campus Rütli - CR²) verleiht die ersten Stipendien / Foto: Pädagogische Werkstatt, 2010

Change Story einer Stipendiatin

2010 startete der erste Durchgang des Stipendienprogramms Ein Quadratkilometer Bildung Berlin-Neukölln an der 1. Gemeinschaftsschule Berlin-Neukölln. Lehrerinnen, Lehrer und Sozialpädagoginnen Sozialpädagogen ermutigen Schülerinnen und Schüler, die ihrer Meinung nach gefördert werden sollten, sich zu bewerben. Dabei geht es nicht ausschließlich um gute schulische Leistungen. Im Gegenteil. Das Stipendienprogramm Ein Quadratkilometer Bildung unterstützt Kinder, die drohen verloren zu gehen. So gab es 2010 durchaus Diskussionen, ob eine vorgeschlagene Schülerin das Stipendium erhalten soll. Sie kam regelmäßig zu spät in den Unterricht, wies keine überdurchschnittlich guten Noten auf und wirkte relativ wenig zielstrebig, was ihren Bildungsweg anbelangte. Doch setzten sich ihre Klassenlehrerin und eine Sozialpädagogin besonders für dieses Mädchen ein. Sie sahen das Potential, das in ihr steckte. Vor allem ihr musikalisches Talent war ausschlaggebend, sie für diese Stipendium vorzuschlagen. Nach mehreren Gesprächen mit der Klassenlehrerin, der Schulleiterin und der Sozialpädagogin entschloss man sich, dem Mädchen eine Chance zu geben. Den Befürworterinnen war klar, dass das Mädchen eine gute und starke Begleitung im Stipendienprogramm brauchte. Mit ihrem Bildungspaten formulierte sie gemeinsame Ziele, die sie sich für das kommende Jahr setzen wollte. Oberste Priorität hatten dabei das pünktliche Erscheinen im Unterricht und Verbesserung der Noten in Englisch und Französisch. Erste Erfolge sah man bereits nach dem ersten Stipendienjahr. So empfahl die Sozialpädagogin die Schülerin auch für das zweite Stipendienjahr 2011/2012 mit den Worten:

„Bei ihr (Stipendiatin) können wir alle eigentlich den größten Erfolg verbuchen. Allein die Zielformulierungen, die sie mit ihrem Bildungspaten fand, hat sie unserer Einschätzung nach vollständig erreicht. Sie ist insgesamt offener und selbstbewusster geworden, gibt nun wesentlich bereitwilliger Auskunft über Hintergründe zu allen Themen. Sie sei in der Schule kein „Loser“ mehr, meinte sie einmal zu uns. Sie fühle sich nicht mehr diskriminiert, wegen ihrer Hautfarbe, sei eher so was wie ein Vorbild für andere!“

Die Zielformulierung für das zweite Stipendienjahr war klar: Den MSA bestehen. Von Februar bis Mai kam die Stipendiatin wöchentlich in die Pädagogische Werkstatt, um sich auf die MSA-Prüfungen in Mathematik und Englisch vorzubereiten. Zwei Ehrenamtliche bereiteten zwei Stipendiatinnen intensiv auf die Abschlussprüfungen vor, teilweise sogar an Sonntagen und Feiertagen. Mit dem Erfolg, dass die Stipendiatin den MSA bestanden hat.

Ausgehend von den ersten Zielformulierungen, Pünktlichkeit und Verbesserung der Noten, der besonders guten Begleitung durch die Sozialpädagogin und den Bildungspaten und der Unterstützung durch das Stipendienprogramm, entwickelte die Schülerin ein klare Formulierung ihres Bildungsweges: ich möchte das Abitur schaffen. Nun hat sie den MSA bestanden und möchte weiter die Schule besuchen und wird darin von allen Beteiligten unterstützt werden.