TRANSFORMATION V⎜2015

Nicolas Wiese

Workshop: September – Dezember 2015 Ausstellung: 28. November - 18. Dezember 2015

Ausstellungseröffnung: Freitag, 27. Juni, 18:30 Uhr mit Jan-Christopher Rämer, Bezirksstadtrat für Bildung, Schule, Kultur und Sport des Bezirks Berlin-Neukölln. Kuratorin: Silvia Ploner.

Taken from the stage / Von der Bühne geholt

Die fünfte Ausstellung der Temporären Galerie zeigte unter dem Titel Taken from the stage / Von der Bühne geholt ein Panorama von Stop-Motion-Videoarbeiten des Berlin-Neuköllner Künstlers Nicolas Wieses. Ursprünglich für Live-Aufführungen in Zusammenarbeit mit Komponistinnen, Komponisten sowie verschiedenen Musik- und Theaterensembles entstanden, wurden die zwischen 2007 und 2015 entstandenen Arbeiten für die Ausstellung neu bearbeitet. Eine historische Textilfabrik, Franz Kafkas Brief an den Vater (1919), ein Gartenlabyrinth aus einer Erzählung von Jorge Luis Borges, ein usbekisches Volksmärchen, der alte Schweizer Brauch des Talerschwingens: Die Videoarbeiten de- und rekonstruieren unterschiedlichste thematische Bezüge und versetzen die Betrachterinnen, Betrachter in neue, ungewöhnlich vielschichtige Raum-, Bild- und Tonwelten.

Handout Ausstellung

Im Rahmen von TRANSFORMATION V leitete Nicolas Wiese gemeinsam mit der Berliner Medien- und Klangkünstlerin Heidrun Schramm den multimedialen Workshop tagscape mit Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli - CR² (Jahrgangsstufen 4-6). Begleitet wurde er durch die Kunstlehrerin Gertraud Mülder und die Kunstpädagogin Susanne Wendler. Die Filme die daraus entstanden sind wurden gemeinsam mit einer Auswahl anderer Materialien vom 15. bis zum 18. Dezember in Form einer Ausstellung in der Ausstellung Teil von TRANSFORMATION V.

Zwischen September und Dezember 2015 betrachteten die Kinder in tagscape Graffiti und „tags“ (Signaturkürzel, welches das Pseudonym einer, einer/eines Graffiti-Sprüherin/Sprühers darstellt) aus einer anderen Perspektive: als Gestaltungsgrundlage für Experimentalfilme. Sie entwarfen eigene, aus ihren Handschriften abgeleitete Signaturen, entwickelten Variationen und bildeten neue Strukturen durch Überschreibungen und Überlagerungen ihrer Schriftzüge. Verdichtungen und Muster entstanden. Später wurden besonders gelungene und interessante Versionen der „tags“ gescannt und abfotografiert, am Computer ausgeschnitten, vervielfältigt und eingefärbt. Durch digitale Überlagerung entstanden neue Strukturen. Die Kinder erarbeiteten ihre ersten Animationen. Auch mit Legetrick- und Stop-Motion-Technik entstanden kurze Bildsequenzen für erste zeitbasierte Kompositionen. Experimente mit unterschiedlichen transparenten Papieren und Folien führten – ganz ohne digitale Bearbeitung – zu Tiefenunschärfe und plastischen Ebenen, jeder einzelne Schritt wurde fotografiert. Zu ihren Kurzfilmen produzierten die Kinder Klang-Collagen aus zuvor aufgenommenen Alltagsklängen, Schreib- und Kritzelgeräuschen, Instrumentalmusik sowie Aufnahmen der eigenen Stimme. Einige Klangkompositionen wurden in Echtzeit eingespielt, zur direkten Synchronisation mit den Bildsequenzen.

Zum Workshop ist ein Booklet entstanden, welches folgend einsehbar ist.

Ausstellung in der Ausstellung

Eröffnung am 15. Dezember 2015, 10 Uhr Gezeigt werden Stop-Motion-Filme von Schülerinnen und Schülern die während des Workshops tagscape entstanden sind, gemeinsam mit Zeichnungen die deren Entstehungsprozess nachvollziehbar machen.

Nicolas Wiese

Nicolas Wiese (geb. 1976 in Itzehoe) ist ein Video- und Klangkünstler, Grafikdesigner, und experimenteller Musiker/Komponist. Er lebt und arbeitet in Berlin-Neukölln. Wiese studierte Philosophie und Soziologie an der Universität Hamburg, Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (Diplom 2005) und Sound Studies an der Universität der Künste Berlin (UdK). Wiese entwickelt Arbeiten in unterschiedlichen Medien und Formaten: Installationen und raumbezogene Aufführungen, elektroakustische Kompositionen, relationale bzw. improvisierte Musik, grafische Kunst, Radio-Hörstücke und Experimentalfilm. Sein Hauptinteresse liegt in der Dekonstruktion und Rekonstruktion alltäglicher/medialer Fundstücke. Er beschäftigt sich immer wieder mit dem widersprüchlichen und suggestiven Kommunikationsgehalt medialer Bilder sowie mit deren Distribution und Wahrnehmung. Dabei spielen Sprache und Text, Architektur und Raumwirkung, Alltagsgegenstände und gebrochene Nostalgie zentrale Rollen. Seine Arbeiten brachte ihn zu Festivals, Galerien, Konzerthäusern und Museen in Teheran, Kelowna/Kanada, Madrid, London, Wien, Istanbul, Neapel, Krakau, Brüssel, wie u.a. in die Berlinische Galerie, ins Konzerthaus Berlin, ins Museum Weserburg Bremen und in die Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig. Seit 2014 leitet er – in wechselnden Teams und auch allein – regelmäßig Workshops für Schülerinnen, Schülern und Erwachsene.

Heidrun Schramm

Heidrun Schramm (geb. 1966) ist Geräuschesammlerin, Klangkünstlerin und Komponistin elektroakustischer Musik mit besonderem Interesse an Low-Fi Elektronik. Sie studierte akustische Kommunikation an der Universität der Künste Berlin (UdK) mit dem Schwerpunkt Klangkunst. Sie lebt und arbeitet in Berlin-Neukölln. Schramms akustische und installative Arbeiten folgen den Prinzipien der Musique Concrète, welche sie auch auf das Medium Video überträgt. Ihre Konzerte sind installative Performances, in denen sie – Solo oder im Duo mit Nicolas Wiese – einen Zwischenweg zwischen Konzert und Soundinstallation erforscht. Schramm arbeitet als Sounddesignerin für Filmprojekte und Radiobeiträge, lehrt Szenische Klanggestaltung an der UdK Berlin (seit 2013) und der HFBK Dresden (2010) und leitet seit 2011 zahlreiche Sound- und Video- Workshops für Kinder an Berliner Schulen.

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