TRANSFORMATION VI⎜2016

Stephane Leonard

Workshop: April – Juni 2016 Ausstellung: 16. – 29. Juni 2016

Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 15. Juni, 15 Uhr mit Jan-Christopher Rämer, Bezirksstadtrat für Bildung, Schule, Kultur und Sport des Bezirks Berlin-Neukölln. Kuratorin: Silvia Ploner.

Inseln

Für die sechste TRANSFORMATION ist in Zusammenarbeit des brandenburgischen Künstlers Stephane Leonard mit Adelisa, Ahmad E.-N., Ahmed Z., Alpay, Danijel, Ebru, Esra, Fatme, Ibrahim Can, Imad, Klaudiusz, Malek, Mikail, Nadja, Najma, Nedzmije, Omar, Rebeca, Samar, Samira, Şüheda, Umer, Ümit und Zeinab von der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR² die ortsspezifische Installation „Inseln“ entstanden.

Leonards Arbeitsweise lässt sich nicht auf nur ein bestimmtes Medium eingrenzen. Er arbeitet mit Klang und Video, mit Malerei, Zeichnung und Installation. Ursprünglich von der Street-Art kommend, beschäftigt er sich künstlerisch mit Unberechenbarkeiten, Bewegungen und Prozessen und oft auch mit Prinzipien demokratischer Kunstproduktion. Sein Ausgangspunkt ist dabei eine Reflexion über die Linie, was sie zu beschreiben leisten kann und mit welchen Mitteln, über die eigene Schaffenskraft hinaus, sie sich zeigt. Eine grundlegende Motivation in diesem Projekt war für Leonard die Herausforderung der eigenen Arbeitsmethoden – eine Selbstmanipulation, die es zulässt, die eigenen künstlerischen Grenzen zu verschieben, indem ein Prozess zwar geplant werden kann, dessen Ergebnisse aber, durch die kollektiven Entscheidungen, völlig unvorhersehbar bleiben. Gemeinsam durchliefen die Schülerinnen und Schüler einer 8. Klasse mit Leonard den Prozess einer Ausstellung von der Idee bis zur Umsetzung.

Entstanden ist eine Installation, die den unmittelbaren Außenraum der Temporären Galerie spiegelt. Der Entstehungsprozess von „Inseln“ wurde von Alexander Schoell begleitet. Daraus entstand eine Videodokumentation, die Teil der Ausstellung war.

Auf dem Bauzaun vor der Galerie waren zudem große Sperrholzplatten mit Stencils installiert. Diese waren im Rahmen eines zweiten Workshops entstanden, den die Ethik- und Kunstlehrerin Christine Sader mit Jugendlichen einer 9. Klasse der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR² leitete.

Workshop von Stephane Leonard mit Schüler*innen einer 8. Klasse der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR², begleitet durch die Ethik- und Kunstlehrerin Christine Sader. Projekttage, April bis Juni 2016.

Die Zusammenarbeit begann mit einer gemeinsamen Erkundung des Kiezes rund um das Schulgebäude, auf der Suche nach scheinbar beiläufigen, zufälligen, von Mensch und Natur gemeinsam geschaffenen Form-, Farb- und Linienarrangements: Was seht ihr? Wie seht ihr es? Haltet es fotografisch fest! Es folgten Gespräche über die verschiedenen Sichtweisen, Farben und Formen und ein gemeinsames Zeichnen. Hierfür gab es zwei Regeln: Versuche, abstrakte Formen und Zeichen zu finden und: Verwende keine Schrift! Die Zeichnungen dienten als Entwürfe für die folgende kollektive Arbeit in einem eigens gebauten, 4,5 mal 4,5 Meter großen und 2,5 Meter hohen Raum innerhalb der Temporären Galerie.

Diese vom Ausstellungsraum unabhängige Raum-im-Raum-Konstruktion bot ca. 45 Quadratmeter Zeichenfläche aus unbehandelten Sperrholzplatten. Darauf entstand zunächst eine Klebeband-Zeichnung von Leonard, die am Ende des Prozesses freigelegt wurde. Später waren die Jugendlichen eingeladen, ihre Skizzen mit Acrylsprühlacken auf den Innenflächen der Raumkonstruktion umzusetzen. Mit Farben und Form experimentiert wurde in kleinen Gruppen von fünf bis sechs Schüler*innen. Jede Gruppe kam mindestens zweimal and die Reihe und musste auf die jeweils vorige reagieren. Leonard griff in diesen Prozess immer wieder ein, indem er Teilbereiche abklebte und andere wieder freigab. Mit jedem Durchgang verdichtete sich die Gesamtkomposition, bestehend aus den individuell gesprühten Bildern, Tags, Flächen, Flecken und Kritzeln. Am Ende wurde der Raum in neun gleich große Paneele aufgelöst und in Anlehnung an urbane Architekturen im Ausstellungsraum verteilt.

Workshop von Christine Sader mit Schüler*innen einer 9. Klasse der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR². Projekttage, April bis Juni 2016.

Ahmad, Amne, Aya, Baris, Ceren, Christina Maria, Dogukan, Erdemesinli, Esra, Gizem, Kerem, Mam, Manar, Mohammed, Omran, Rana, Revsen, Riham, Sarah, Sasa und Zahra begaben sich gemeinsam mit ihrer Lehrerin Christine Sader auf die Suche nach Vorbildern und Menschen, die ihnen etwas bedeuten. Die Jugendlichen setzten sich mit Street-Art auseinander, ausgehend von politischen Graffiti und Stencils auf der Mauer, die Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete trennt. Daraus entwickelten sie eigene Stencils von Fußballern, Rappern, Politiker*innen, Aktivist*innen und Opfern diktatorischer Regime. Auf große Sperrholzplatten gesprüht, zeigten sie im Rahmen der Ausstellung, wer für sie zählt.

Stephane Leonard

Stephane Leonard (geb. 1979 in Berlin, DE) lebt und arbeitet in Brandenburg. Leonard studierte zunächst Philosophie und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und dann Freie Kunst mit den Schwerpunkten Zeichnung, Film/Video und Klang in den Klassen von Prof. Paco Knöller und Prof. Jean-François Guiton an der Hochschule für Künste Bremen. Als Künstler ist er seit 1995 aktiv, zunächst im Bereich der Street-Art, später als Maler, Zeichner und Videokünstler. 2007 gewann Leonard den Videokunst Förderpreis der Stadt Bremen. Darauf folgten weitere Auszeichnungen auf Filmfestivals für verschiedene Videoarbeiten sowie Residencies in Norwegen und Portugal, diverse Einzel- und Gruppenausstellungen sowie zwei Ausstellungs-Stipendien der Stadt Berlin. 2019 gewann er den Brandenburgischen Kunstpreis für Malerei und Zeichnung.


 

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