Ton Jungle⎜2016

Workshop von Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli mit Schüler*innen der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR² (JüL 4–6), begleitet durch die Erzieherin Susanne Wendler. Projekttage, Februar bis Juli 2016.

Im »Ton Jungle« drehte sich alles um das Erforschen, Beobachten, Sammeln und Transformieren verschiedener Spezies von »Alltagsflora«. Als Teil des urbanen Lebens bevölkern Pflanzen zu Hunderten Bordsteinkanten, Tapeten, T-Shirts, Parks, Sticker-Alben, Moscheen und Teppiche. Pflanzen sind wie Faszien unserer Muskeln: Sie bilden Korridore und Brücken, bringen Menschen zusammen und sorgen für gute Laune oder gutes Klima. Etwa 40 Schülerinnen und Schüler des gebundenen Ganztags der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR² arbeiteten jedenMittwoch und Freitag im Rahmen der Kunstwerkstatt an diesem Projekt.

Sie betrachteten Pflanzen im Museum für Naturkunde unter dem Mikroskop, sahen sich florale Ornamente an Architekturen an und erkundeten Pflanzen im Botanischen Garten. Parallel wurden die zahlreichen, auf den Exkursionen gesammelten Eindrücke im Kunstkeller der Schule mit den Händen knetend in Tonfiguren verwandelt. Die Tonobjekte wurden dann gemeinsam in der Kunstwerkstatt der Schule gebrannt.

Der Dschungel aus Ton war im Juli 2016 in der Temporären Galerie ausgestellt. Kinder, die an dem Workshop teilgenommen hatten, boten für ihre Mitschüler*innen und für Anwohner*innen Führungen durch die Ausstellung an. Die Texte dieser Führungen sind in kollektiver Arbeit durch die Schülerinnen und Schüler entstanden.

Programm

4. Juli 2016, 13 Uhr: Eröffnung der Ausstellung mit dem Schulensemble der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli - CR²

6. Juli 2016, 9, 10 und 11 Uhr: Führung durch die Ausstellung von den jungen Künstler*innen für ihre Mitschüler*innen

13. Juli 2016, 16 Uhr: Öffentliche Führung durch die Ausstellung der jungen Künstler*innen

15. Juli 2016, 9, 10 und 11 Uhr: Führung durch die Ausstellung von den jungen Künstler*innen für ihre Mitschüler*innen

GEISTERPFLANZE Die Geisterpflanze ist in den 1950er-Jahren im Sumpf entstanden. Ein Geist war damals in einem Samen eingesperrt, und irgendwann konnte er sich befreien. Danach konnte die Pflanze richtig wachsen. Deswegen hat sie aber auch eine andere Form als normale Pflanzen. Was die Pflanze kann, ist Stacheln schießen und durch Wände gehen. Die Pflanze braucht zum Leben ihre Stacheln, Schatten und Musik. Wie vermehrt sie sich? Wenn ein Stachel von der Pflanze abfällt, wächst aus ihm eine neue Pflanze. Ihre Feinde sind Schwiegermutterkissen, und die Freunde heißen Vampirpflanzen.

SCHWIEGERMUTTERSESSEL Vor etwa 40 Millionen Jahren entstand der Schwiegermuttersessel, als ein Fußball aus Erde in ein Kakteenfeld fiel. Seitdem versetzt er Schwiegermütter in Angst und Schrecken. Seit einiger Zeit leben auch welche in der Großstadt. Sie brauchen zum Überleben Coca-Cola und natürlich Schwiegermutterfleisch. Der Schwiegermuttersessel vermehrt sich, indem er Stacheln abschmeißt, aus denen dann kleine Baby-Kakteen entstehen. Seine Feinde sind die Schwiegermütter, und seine Freunde sind die armen Kinder der Schwiegermütter.

VERSTEINERTES BLATT Das versteinerte Blatt entstand vor zehn Millionen Jahren. Es wurde früher als Frisbee benutzt und ist dabei in Blätter hineingefallen. Dadurch ist ein Abdruck entstanden. Seine Eigenschaften sind: Es will immer hübsch sein, es kann fliegen und sich auch durchsichtig machen. Zum Überleben braucht es Steine, Müll und Gestank. Vermehren kann es sich nicht, denn es ist versteinert. Seine Feinde sind Menschen mit Hämmern, und seine Freunde sind die Archäologen.

WURFSTERNPFLANZE Die Wurfsternpflanze entstand vor 3.000 Jahren. Ein Mädchen spazierte in der Wüste und fand eine Scheibe, die Zacken und Löcher hatte. Es nahm sie mit in den Dschungel. Weil es die Pflanze als Erstes entdeckt hatte, nannte sie es Wurfsternpflanze. Wenn man die Pflanze wirft, fängt sie an zu fliegen. Sie kann beim Fliegen auch Dinge in der Mitte durchschneiden. Die Pflanze braucht Wind und Licht, um zu überleben, aber sie macht auch Sport, um fliegen zu können. Sie kann sich in mehrere Wurfsternpflanzen teilen. Sie hat Freunde und auch Feinde. Die Freunde sind Sonne und Wüste, ihre Feinde sind der Mond und das Wasser.

Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli

Birgit Auf der Lauer (geb. 1981 in Deva, RO) und Caspar Pauli (geb. 1984 in Köln, DE) arbeiten seit 2011 als Künstlerduo zusammen. Ihre unmittelbare, kulturell vielfältige Nachbarschaft in Berlin-Neukölln bewegt sie und ihre Arbeit in andere Städte und Länder. In ihren Installationen, Performances und Videos konfrontieren sie undokumentiertes Wissen und Erfahrungen mit normativen Narrationen von Identität. Ihre Arbeiten wurden in Berlin u.a. in der nGbK, im Maxim Gorki Theater, in kommunalen Galerien und verschiedenen Projekträumen gezeigt. International wurden ihre Arbeiten u.a. im Depo Istanbul, in der Aki Gallery Taipeh, beim Tribunal »NSU-Komplex auflösen« des Schauspiels Köln, in der Akademie der Künste der Welt, in den Goethe-Instituten Bogotá und Kairo, im Nationalen Museum für zeitgenössische Kunst in Bukarest und im IMAC Tijuana gezeigt.

 

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