TRANSFORMATION II⎜2014

Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli ▪ Catherine Traykovski

Workshops: Juni 2014 Ausstellung: 07. Juni - 03. Juli 2014

Ausstellungseröffnung: Freitag, 06. Juni, 18 Uhr mit Christina Rau, Schirmherrin des Campus Rütli – CR². Kuratorinnen: Silvia Ploner, Ida Schildhauer.

Die zweite Ausstellung der Temporären Galerie zeigte zwei künstlerische Positionen, die sich unter dem Schlagwort »Recycling« vereinen lassen. »Recycling« war auch das Motto der beiden Workshops, die mit Kindern und Jugendlichen des Jugend- und Freizeitclubs Manege und der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR² stattfanden. In Form einer »Ausstellung in der Ausstellung« wurden die Resultate beider Workshops in der letzten Ausstellungswoche Teil von TRANSFORMATION II. Die Vernissage fand im Rahmen des Festivals „48 Stunden Neukölln“ statt.

Die Serie „Bioluminescence: Saving the Ocean Deep“ (seit 2011) der New Yorker Künstlerin Catherine Traykovski präsentiert sich als ständig wachsendes Archiv der Lebensvielfalt auf dem Meeresboden. Es besteht aus Monotypien und Drucken im chemikalienfreien Solarplate-Verfahren auf Evolon® AP, einem textilen Material, das aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wird und ein hervorragender Ersatz für traditionell verwendete Kunstdruckpapiere ist. Die Serie zeigt verschiedene Meereslandschaften und Meeresbewohner*innen wie Tintenfische, Plankton, Hechte, Papageienfische oder Quallen und entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen u.a. vom ozeanografischen Forschungsinstitut in Woods Hole, Massachusetts.

Die Installation „Stapelholmer Barke“ (2013) des Berlin-Neuköllner Duos Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli nimmt die sozialpolitische Transformation eines von Strömen bestimmten Ortes zum Ausgangspunkt und Anlass. Die Installation besteht aus einem mit Kettelgarn von der Decke abgehängten Schiffsskelett und der Zeichnung einer namentlich getauften Schraubenarmee, die sich in Reih und Glied versammelt, geordnet nach (fiktiver) Herkunft und Alter. Das Schiffsskelett ist aus Bestandteilen alter, neuer, kaputter, schöner, hässlicher, wertvoller und weniger wertvoller Möbel der Bewohner*innen des Dorfes Süderstapel in Schleswig-Holstein zusammengesetzt. Angesiedelt auf einem Geestrücken, ist das Dorf durch das stählerne Metallmaul des Eidersperrwerks vor Sturmfluten weitestgehend geschützt. Die Auswanderung junger Menschen jedoch ist eine Strömung, die sich durch diese technische Intervention nicht hat regulieren lassen. Ebbe und Flut, Aufbruch, Bewegung und Flucht sind fast unsichtbar, jedoch fest eingeschrieben in die menschliche Textur dieser schleswig-holsteinischen Landschaft: ein Anlass, diese »dörfische« Barke in die Stadt zu hängen (einen Ort, an dem verschiedene Ströme, Flüsse und Bewegungen aufeinanderprallen und ineinanderfließen), die hier vielleicht eine »desired destination« markieren kann.

WORKSHOPS

Workshop von Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli mit Kindern und Jugendlichen des Jugend- und Freizeitclubs Manege, begleitet durch die Sozialpädagog*innen Nadine Hinz und Osman Tekin. Projektwoche, Juni 2014.

Die Reise, auf die Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli Hamoudi, Ibrahim, Inssaf, Malih, Mohamed, Nasser und Nesrin aus der Manege mitnahmen, begann mit der Frage, was der ausgestellten Arbeit des Künstlerpaars – ein Schiff, gebaut aus alten Möbelteilen – fehle. Mit einem quietschendem Süderstapeler Kinderwagen begab sich die Gruppe zunächst auf Rohstoffsuche im öffentlichen Raum. Ziel war es, alle möglichen Gegenstände aus Plastik zu sammeln. Nachdem das Gesammelte gewaschen und geschrubbt war, wurde überlegt, was dem Schiff dringend fehle und gebaut werden solle. Glitzerwasser, die Wogen der See, Delfine, eine Toilette, Ruder oder Paddel, ein Anker… Am Ende entstanden ein Segel und eine Meerjungfrau.

Workshop von Catherine Traykovski und Dan Welden mit Schüler*innen einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe 4–6 der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli – CR², begleitet durch die Lehrerin Ergül Waidmann und die Erzieherin Susanne Wendler. Projektwoche, Juni 2014.

Catherine Traykovski und der amerikanische Druckmeister Dan Welden stellten mit Ali, Aslinur, Attila, Beyza, Carolina, Dennis-Ahmet, Emin-Enrico, Felicita, Helena-Selin, Joumana, Kadidja, Mariam, Melek, Meva-Eslam, Mohamad, Neo-Taiko, Oguzhan, Ömer-Faruk, Oscar, Semilia-Malina und Tamer Drucke im chemikalienfreien Druckverfahren Solarplate her. Solarplate ist ein von Dan Welden entwickeltes Material, das aus mit Polymer beschichtetem Stahl besteht. Unter Verwendung von Holz, Sonne und Wasser werden die Platten zu Druckstöcken. Nach einer Einführung in das Druckverfahren zog jedes Kind, ausgestattet mit einem schwarz eingefärbten Solarplate und einem Holzstöckchen, los, um im Freien wandernd zu zeichnen: Bäume, Blätter, Häuser, den Himmel, Vögel, Wasser, Wolken. Nach einigen Minuten Trockenzeit in der Sonne waren die Solarplates bereit zur Weiterverarbeitung. Mit Wasser wurden sie so lange geschrubbt, bis sich die belichteten Stellen auswuschen und die Platte zum Druckstock wurde. Gedruckt wurde dann auf Evolon® AP.

VERANSTALTUNGEN

11. Juni 2014, 18 Uhr „Hotel Nirgendwo. Wenn Krieg zur Normalität wird“. Lesung mit der kroatischen Autorin Ivana Bodrožić. Eine Veranstaltung in Kooperation mit der S. Fischer Stiftung.

27. Juni – 03. Juli 2014 »Ausstellung in der Ausstellung« mit den Arbeiten der Kinder und Jugendlichen, die an den Workshops teilgenommen haben. Die Ausstellung findet im Rahmen des Festivals „48 Stunden Neukölln“ statt.

Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli

Birgit Auf der Lauer (geb. 1981 in Deva, RO) und Caspar Pauli (geb. 1984 in Köln, DE) arbeiten seit 2011 als Künstlerduo zusammen. Ihre unmittelbare, kulturell vielfältige Nachbarschaft in Berlin-Neukölln bewegt sie und ihre Arbeit in andere Städte und Länder. In ihren Installationen, Performances und Videos konfrontieren sie undokumentiertes Wissen und Erfahrungen mit normativen Narrationen von Identität. Ihre Arbeiten wurden in Berlin u.a. in der nGbK, im Maxim Gorki Theater, in kommunalen Galerien und verschiedenen Projekträumen gezeigt. International wurden ihre Arbeiten u.a. im Depo Istanbul, in der Aki Gallery Taipeh, beim Tribunal »NSU-Komplex auflösen« des Schauspiels Köln, in der Akademie der Künste der Welt, in den Goethe-Instituten Bogotá und Kairo, im Nationalen Museum für zeitgenössische Kunst in Bukarest und im IMAC Tijuana gezeigt.

Catherine Traykovski

Catherine Traykovski (geb. 1939 in New York, USA) lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt. Aufgewachsen in einem kreativ geprägten Umfeld, spezialisierte sich Traykovski als Autodidaktin über die Jahre in verschiedenen Techniken der Druckgrafik. Sie lernte u.a. bei Dan Welden – Grafiker und Direktor der Hampton Editions, Ltd. in Sag Harbor, Long Island –, mit dem sie 2013 die Stiftung Inspiration Plus gründete. Die Mission der Stiftung ist es, mit Kindern und Jugendlichen an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft kreativ zu arbeiten.