Train Songs⎜2018

Workshop von Valeria Merlini und Heidrun Schramm mit Schülerinnen und Schülern der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli - CR² (JüL 4-6), begleitet durch die Musiklehrerin Maja Dürr und dem Erzieher Jakob Rotter. Projektwoche, November 2018.

Wie klingen Züge? Hören wir mechanische und elektrische Geräusche, knirschende Türen, Waggon-Kupplungen und Lüftungssound? Sind Dampfgeräusche noch hörbar? Können Züge atmen oder quietschende Gleise wie Geigen klingen? Welche Geschichten erzählen sie uns? Oder klingen sie wie Musik? Die Klangkünstlerinnen Heidrun Schramm und Valeria Merlini haben gemeinsam mit der Musiklehrerin Maja Dürr und ihrer Klasse, Hörstücke aus selbst aufgenommenen Zuggeräuschen gestaltet.

In diesem kurzen Video erzählen die Kinder was sie im Workshop erlebt haben und präsentieren uns ihre Soundcollagen gemeinsam mit Zeichnungen die während der Projektwoche entstanden sind.

  Der Nicht-Ort Bahnhof, Züge und ihre Geräusche inspirierten bereits viele Musikerinnen und Musiker mit unterschiedlichen Ansätzen, wie z.B. American Railroad Folk Songs, Blues, Jazz, Pop, Minimal Music. Konkrete Zuggeräusche wurden 1948 erstmals als alleiniges Klangmaterial von Pierre Schaeffer in seiner Eisenbahn-Etude verwendet und zur radiophonen Soundcollage komponiert.

Begonnen hat die gemeinsame Woche mit einer Einführung in das Thema Zuggeräusche und Musik. Historische Werke der Musique Concrète und Field Recordings basierte Musik wurde gemeinsam gehört, es gab Hörübungen und ein gemeinsames Sammeln erster Ideen. Weiter ging es mit dem Sammeln von Klängen für die eigenen Kompositionen. Während eines Ausflugs in zwei nahegelegene Bahnhöfe nahmen die Kinder Geräusche auf – mechanische und elektrische, knirschende Türen, Waggon-Kupplungen, Lautsprecher- und Störgeräusche, droneartige Lüftungssounds – und interviewten Menschen am Bahnsteig. Die Kinder waren dann eingeladen, inspiriert von den Zug-Soundcollagen, ein paar Takte auf ihrem Instrument zu spielen oder passende Geräusche auf Instrumenten zu erzeugen, was ebenfalls aufgenommen wurde. Später ging es in den Computerraum um die Aufnahmen (Zug und Instrument) zu kombinieren, so dass viele kurze Stücke aus Zuggeräuschen und Instrumentenklängen entstanden sind.

In diesem Projekt lernten die Kinder einen alltäglichen Klang ihrer Umgebung aus einer anderen Perspektive kennen, wurden durch einen künstlerisch-kreativen Zugang für die auditive Wahrnehmung sensibilisiert und im konzentrierten (Zu)Hören gefördert. Gleichzeitig erprobten sie den Umgang mit Audio-Technik und können mit einem konkreten, selbst gewählten Ziel schnell in den künstlerischen Arbeitsprozess einsteigen.

Die Klangstücke wurden im Dezember 2018 in der Schule für Mitschülerinnen, Mitschüler und Eltern präsentiert.

Heidrun Schramm

Heidrun Schramm studierte akustische Kommunikation an der Universität der Künste Berlin (UdK) mit dem Schwerpunkt Klangkunst. Sie ist Geräuschesammlerin, Klangkünstlerin und Komponistin elektroakustischer Musik. Ihre Arbeit umfasst intermediale Kompositionen und audiovisuelle Installationen. Schramm arbeitet als Sounddesignerin für Filmprojekte und Radiobeiträge, lehrt Szenische Klanggestaltung an der UdK Berlin (seit 2013) und der HFBK Dresden (2010) und leitet seit 2011 zahlreiche Sound- und Video- Workshops für Kinder an Berliner Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen.

Valeria Merlini

Valeria Merlini studierte Architektur in Florenz und Sound Studies an der Universität der Künste Berlin (UdK). Sie ist Klangkünstlerin, DJ und Kuratorin. In ihren Arbeiten untersucht sie auf interdisziplinäre und kritische Art Alltagsklänge im städtischen Kontext. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Urbanismus, Akustischer Szenografie, Klangkunst, Musik und Radio. Sie ist Mitbegründerin des Studio Urban Resonance, Mitglied des italienischen Labels Burb Enterprise, Co-Leiterin von Staalplaat Radio und künstlerische Leiterin des Festivals MuseRuole – Women in Experimental Music.