Kritzel-Orchester⎜2017

Workshop von Heidrun Schramm und Nicolas Wiese mit Schülerinnen und Schülern einer Regelklasse (Jahrgangsstufe 4) und einer Willkommensklasse (Jahrgangsstufen 1-6) der Elbe-Schule, begleitet von den Lehrerinnen Wiebke Finck und Frau Ashhab. Workshop I: März bis Mai 2017 ⎜Workshop II: Projektwoche, Mai 2017.

Die Idee zum Kritzel-Orchester entstand aus den Erfahrungen mit dem Projekt „tagscape“ (Workshop im Rahmen von TRANSFORMATION V, Temporäre Galerie 2015) sowie aus vorangegangenen Workshops von Schramm und Wiese mit Kindern aus Willkommensklassen, die schon etwas Deutsch sprechen konnten, jedoch Schwierigkeiten hatten, das lateinische Alphabet zu erkennen. Hier setzt das Kritzel-Orchester an. Der Workshop regt zum Experimenten mit der eigenen Handschrift an und macht dabei schriftbildliche und strukturelle Eigenarten des für einige Kinder neuen Alphabets erfahrbar. Deutsch-Sprachanfänger und Muttersprachler tauschen sich aus, lernen voneinander, erarbeiten einen Film, in dem ihre individuellen Handschriften die Hauptrolle spielen. Ausgehend von zunächst nur einem selbst ausgewählten Wort können die Kinder erste gestalterische Erfahrungen sammeln.

Zum Einstieg in den Arbeitsprozess untersuchte die Gruppe die Kritzelei hinsichtlich ihrer grafischen Potenziale. Als Inspiration hierfür dienten Beispiele ausgewählter Künstlerinnen und Künstler. Die Kinder entwarfen einen aus ihrer Handschrift abgeleiteten „tag“, entwickelten Variationen, schnitten Versionen aus, vervielfältigen diese, färbten sie ein, legten sie auf unterschiedliche Hintergründe, verkleinerten sie, ließen sie im Bildraum wandern. Die Schrift-Zeichnungen wurden abfotografiert, gescannt und abgefilmt; die Bearbeitung geschah analog und digital. Mittels Stop-Motion-Technik entstanden so künstlerische Musikvideos, in denen animierte Schriftzüge mit eigenen Soundmixen vertont wurden. Der Einsatz der eigenen Stimme, Mundlaute und gesprochene Texte, die das gewählte Wort beinhalten oder in eine andere Sprache übersetzten kamen zum Einsatz. Klangliche, schriftbildliche und strukturelle Eigenarten/ Unterschiede zur Muttersprache wurden erfahrbar.

Welche neuen Kritzel-Landschaften entstehen? Wie mischen sich die unterschiedlichen Schriften? Wie klingt das Kritzel-Orchester? Wie hört es sich an, wenn 20 Kinder auf unterschiedlich großen Kartons oder mitschwingendem Metall schreiben?

Die entstandenen Filme wurden im Rahmen des Schulfestes der Elbe-Schule am 17. Juli 2017 präsentiert. Ausserdem wurde eine kleine Ausstellung mit den Originalzeichnungen im Schulgebäude installiert.

Heidrun Schramm

Heidrun Schramm studierte akustische Kommunikation an der Universität der Künste Berlin (UdK) mit dem Schwerpunkt Klangkunst. Sie ist Geräuschesammlerin, Klangkünstlerin und Komponistin elektroakustischer Musik. Ihre Arbeit umfasst intermediale Kompositionen und audiovisuelle Installationen. Schramm arbeitet als Sounddesignerin für Filmprojekte und Radiobeiträge, lehrt szenische Klanggestaltung an der UdK Berlin (seit 2013) und der HFBK Dresden (2010). Seit 2011 leitet sie zahlreiche Sound- und Video-Workshops für Kinder an Berliner Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen.

Nicolas Wiese

Nicolas Wiese studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg, Soziologie und Philosophie an der Universität Hamburg und Sound Studies an der UdK Berlin. Er ist Video- und Klangkünstler, Grafikdesigner und experimenteller Musiker. Wiese leitet regelmäßig Workshops für Schülerinnen, Schülern und Erwachsene.

Dieser Workshop fand 2015 in ähnlicher Form mit Kinder der Grundstufe der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli im Rahmen von TRANSFORMATION V statt.